Ökologische Vorteile von Cultured Meat

So hart es auch klingen mag: Die konventionelle Fleischproduktion ist ein Klima-Killer. Gewaltige Treibhausgas-Emissionen, enormer Wasserverbrauch, riesiger Flächenbedarf – die Nutztierhaltung scheint vor dem Hintergrund der Erderwärmung und mit Blick auf nachfolgende Generationen schlichtweg nicht mehr zeitgemäß, nicht mehr vertretbar. Eine Lösung wäre Verzicht. Die bessere: Laborfleisch. Im Folgenden zeigen wir Ihnen, welche ökologischen Vorteile Cultured Meat mit sich bringt.

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Tierschutz

Allein in Deutschland werden pro Tag mehr als 2 Millionen Tiere geschlachtet . Addiert man die Tötung von Fischen und anderen Meerestieren, die diese Statistik nicht erfasst, dürfte diese Zahl noch um ein Vielfaches höher ausfallen. Sage und schreibe 97 Prozent des in Deutschland konsumierten Fleisches stammen aus Massentierhaltung. Dass hier das Thema Tierwohl nicht die höchste Priorität genießt, dürfte bekannt sein. So werden etwa, um die Tiere an die Haltungsform anzupassen, regelmäßig Hörner, Ringelschwänze und Schnäbel abgetrennt oder Zähne entfernt. Und das oft ohne Betäubung. Hinzu kommen starke Einschränkungen hinsichtlich der Bewegungsfreiheit der Tiere und eine gewisse Ignoranz, was deren Grundbedürfnisse angeht. Schlichtweg, weil sich die Fleischproduktion vielerorts nur so wirtschaftlich betreiben lässt.

Die Lösung dieses Problems: Cultured Meat. Die Möglichkeit, Fleisch im Labor zu züchten, macht die Haltung und Tötung von Tieren zur Fleischproduktion obsolet. Anstatt mühsam ein ganzes Tier heranzuzüchten, von dem am Ende ohnehin nur ein Bruchteil verwertet werden kann, wird ausschließlich das produziert, was der Konsument wünscht: Fleisch.

Und zwar ohne Tierleid. Das niederländische Unternehmen Mosa Meat, Cultured Meat Pionier, beispielsweise entnimmt handverlesenen Kühen unter Narkose „pfefferkorngroße“, etwa 0,5 Gramm schwere Zellproben, was eine „standardisierte tierärztliche Prozedur“ darstellt. Pro Entnahme werden so 33.000 Myosatellit-Zellen gewonnen, aus denen sich 80.000 Burger Patties herstellen lassen. In etwa das Äquivalent von 960 Kühen. Um den weltweiten Fleischbedarf zu decken, so Mosa Meats Operations Coordinator Beckie Calder-Flynn im September 2019, benötige man nach aktuellem Stand lediglich 150 Kühe.

Das Tierleid beschränkt sich übrigens nicht auf den Auszucht- beziehungsweise Schlachtprozess. Täglich werden weltweit rund 1,6 Milliarden Tiere (Stand 2019) auf Lastwagen oder gar Schiffen transportiert. Unter meist qualvollen Bedingungen wie Hunger, Durst, Hitze und Enge sowie einer in der Regel allgegenwärtigen Todesangst. Auch für diese Missstände ist Cultured Meat die Lösung. Zwar lassen sich Transportwege nicht gänzlich vermeiden – wenn nach einer Umstellung auf Cultured Meat ein Transport stattfindet, dann aber ohne Tierleid. Denn ausgeliefert wird dann nur noch Fleisch, ohne ein zugehöriges Tier.

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Emissionen

Ist Fleisch ein Klimakiller? Aktuell ja. Laut der FAO, der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, gehen 14,5 Prozent der weltweit durch den Menschen verursachten Treibhausemissionen auf die Haltung und Verarbeitung von Tieren zurück . Oder anders ausgedrückt: Die Nutztierhaltung ist für mehr als die Hälfte der durch die Landwirtschaft verursachten Treibhausemissionen verantwortlich. Besonders „böse“: die Kühe. Denn 87 Prozent dieser Emissionen entfallen dabei auf Rinder .

Methan

Eine Kuh setzt pro Jahr etwa 100 Kilogramm Methan frei  – durch Rülpsen und Pupsen. Auch aufgrund der Tatsache, dass weltweit knapp 1 Milliarde Rinder gehalten  werden, ist die Landwirtschaft weltweit die Haupt-Emissionsquelle von Methan. Laut Umweltbundesamt lag dieser Anteil im Jahr 2020 bei knapp 63 Prozent der ausgestoßenen 2,8 Millionen Tonnen – unter anderem verursacht durch den Ausstoß der Tiere sowie die Lagerung und Ausbringung des Mists und der Gülle.

Methan entsteht, wenn organisches Material verfault, vermodert oder – im Fall der Kühe – verdaut wird. Verglichen mit dem Ausstoß an CO2 macht Methan nur einen Bruchteil aus. Auf eine Milliarde Teilchen in der unteren Schicht der Erdatmosphäre kamen im Jahr 2020 etwa 400.000 CO2- und lediglich rund 1900 Methan-Teilchen. Aber: Da Methan-Moleküle sehr effektiv darin sind, der Wärmestrahlung den Weg ins All zu verwehren und diese mitunter sogar zur Erde zurückschicken, geht von einer Tonne Methan eine auf 20 Jahre gerechnet 86 Mal höhere Klimawirkung aus als von einer Tonne Kohlenstoffdioxid.

Lachgas

Ebenfalls im Zusammenhang mit der Nutztierhaltung zu nennen ist das Distickstoffoxid, auch als Lachgas bekannt. Dieses Treibhausgas, so das Umweltbundesamt, ist etwa um den Faktor 300 klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid . Im Jahr 2018 zeichnete die Landwirtschaft in Deutschland für 79 Prozent der Lachgasemissionen verantwortlich. Unter anderem durch die Einbringung organischer Düngemittel in den Boden, sprich das Ausbringen von Gülle.
Zumindest den Lachgasemissionen, die durch die Ausbringung organischen Materials verursacht werden, würde der Umstieg auf Cultured Meat einen Riegel vorschieben. Keine Nutztierhaltung, keine Ausscheidungen, keine Gülle.

Kohlenstoffdioxid

Auch Kohlenstoffdioxid spielt eine nicht unwesentliche Rolle bei der Fleischproduktion. Laut Bundesumweltministerium (Stand 2019) werden in der Erzeugung je Kilogramm frischem Schweinefleisches 3,25 Kilogramm CO2 freigesetzt. Je Kilogramm tiefgekühltem Rindfleisch sogar 14,34 Kilogramm . Unter Einbeziehung der unterschiedlichen Kohlenstoffdioxid-Emissionen bei der Fleischproduktion je Tierart ergibt sich somit ein CO2-Fußabdruck von 5,49 Kilogramm pro Kilogramm gegessenen Fleisches.

Auch im Bereich der Logistik entfällt auf die konventionelle Fleischproduktion ein nicht unwesentlicher Anteil an CO2-Emissionen. Das beginnt bereits bei der Fütterung. Rund 30 Prozent der verfütterten verdaulichen Eiweiße wurden im Wirtschaftsjahr 2019/2020 importiert. 44 Prozent davon entfiel auf Sojabohnen und Sojaschrot  – Futtermittel, die in der Regel aus Südamerika stammen und damit rund 12.000 Kilometer an Transportwegen hinter sich haben. Berechnungen des Forums für Umwelt und Entwicklung aus dem Jahr 2011 zufolge verursachen Anbau, Verarbeitung und Transport einer Tonne Sojaschrot 0,567 Tonnen CO2 – Äquivalent. Angesichts der 4,5 Millionen Tonnen Sojaschrot, die in Deutschland jährlich verfüttert werden, ergeben sich CO2-Emissionen in Höhe von 2,5 Millionen Tonnen . Emissionen, die der Umstieg auf Laborfleisch obsolet machen würde. Kein Tier, kein Futter, keine Emissionen.

Obendrein entstehen auch im Anschluss an die Fleischproduktion Emissionen. Fleisch-Importe, Fleisch-Exporte und auch der Binnentransport setzen weitere Treibhausgase frei. Auch hier bietet Cultured Meat Vorteile. Denn während die konventionelle Fleischproduktion – abgesehen von der Massentierhaltung – auf Weideflächen angewiesen ist, lässt sich das Laborfleisch vollkommen standortunabhängig produzieren. So lassen sich Transportwege im Binnenmarkt drastisch reduzieren und grenzübergreifender Handel sogar nahezu vollständig eliminieren.

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Abholzung des Regenwaldes

Die Landwirtschaft ist mit etwa 5 Milliarden Hektar, also rund 37 Prozent der Landfläche, der weltweit größte Flächennutzer. Wiederum rund 80 Prozent dieser Fläche entfallen auf die Viehhaltung, nämlich auf Weideland sowie Futtermittelanbau.  Das wäre per se kein Problem – solange zugunsten dieser landwirtschaftlich genutzten Flächen keine Abholzungen von klimafreundlichen Wäldern, insbesondere des Regenwaldes, stattfinden würden. Die Realität ist leider eine andere. Laut der Rainforest Foundation ist die Tierhaltung beispielsweise für 91 Prozent der Abholzung des Amazonas verantwortlich.  

 

Abholzung des Regenwaldes zum Futtermittelanbau

Der Futtermittelanbau beansprucht rund ein Drittel des gesamten weltweiten Ackerlandes. Einen nicht unwesentlichen Anteil dessen, rund 132,51 Millionen Hektar , machen Sojapflanzen aus. 70-75 Prozent des weltweit angebauten Sojas werden an Nutztiere verfüttert – entweder an Land oder in Aquakulturen zur Zucht von Fisch- und Meeresfrüchten.

Das Problem beim Anbau von Futtermitteln und von Soja im Speziellen: Rodungen zugunsten neuer Anbauflächen. 70 Prozent des Regenwalds weltweit sollen der Naturschutzorganisation Forest Trends bereits illegaler Weise Abholzungen zugunsten von Anbauflächen für Soja und andere Rohstoffe zum Opfer gefallen sein . Das ist angesichts der Tatsache, dass rund 40 Prozent des Sauerstoffs in der Luft auf die Regenwälder zurückgehen, ein klimatechnisches Desaster.

Auch kommen die zahlreichen Vorteile von Cultured Meat zum Tragen: Da zur Produktion von Laborfleisch keine Futtermittel vonnöten sind, würde sich die Erschließung neuer Anbauflächen für Futtermittel durch einen Umstieg auf Cultured Meat erübrigen. Und nicht nur das: Auch bestehende Flächen würden nicht länger gebraucht und stünden für eine Aufforstung zur Verfügung.

Abholzung des Regenwaldes für Fleischproduktion

Nicht nur die Futtermittelproduktion, sondern auch die Nutztierhaltung selbst geht mit einem gewissen Platzbedarf einher. So nehmen Weideflächen rund 26 Prozent der eisfreien Erdoberfläche ein . Das ist zumindest hierzulande kein Problem – wohl aber dort, wo zugunsten der Weidehaltung Flächen gerodet werden. Besonders dramatisch ist dies im brasilianischen Teil des Amazonasgebiets. Allein im Jahr 2018 verschwanden dort rund 1,3 Millionen Hektar . Vermutlich in erster Linie zur Erschließung neuer Weideflächen. Das legt zumindest die folgende Grafik nahe, der zufolge im brasilianischen Teil des Amazonas zwischen 2001 und 2013 63 Prozent der abgeholzten Regenwaldfläche in Weideland umfunktioniert wurde . Bis 2018 hat die Weidehaltung bereits 450.000 Quadratkilometer an Regenwald verschlungen.

Auch dieser Entwicklung würde ein Umstieg auf Cultured Meat Einhalt gebieten. Auch die Fleisch-Zucht im Labor erfordert gewissen Produktionsflächen. Ob es sich dabei um furchtbaren Boden handelt, spielt jedoch keine Rolle. Eine Abholzung von Regenwald wäre damit zumindest zugunsten von Weideflächen nicht mehr erforderlich.

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Wasserverbrauch

Die Erdoberfläche ist zu rund 70 Prozent mit Wasser bedeckt. Wasserknappheit scheint also zumindest bei oberflächlicher Betrachtung kein ernstzunehmendes Problem zu sein. Könnte es aber werden. Denn bei lediglich drei Prozent davon handelt es sich um Trinkwasser. Und nur ein Drittel dieser drei Prozent sind für den Menschen überhaupt zugänglich. Schon jetzt verfügen mehr als 780 Millionen Menschen nicht über sauberes Süßwasser.  Ein Problem, das der Klimawandel zusätzlich verstärkt. Wasser sparen, wo es nur geht, muss die Devise lauten. Knapp ein Drittel des weltweiten Wasserverbrauchs entfällt auf die Produktion tierischer Erzeugnisse , darunter auch die Fleischproduktion. Die Lösung: Cultured Meat.

Wasserverbrauch durch Futtermittelanbau

Beim Rindfleisch entfällt das Gros des Wasserverbrauchs bei der Fleischproduktion auf die Herstellung von Futtermitteln. Um ein Kilogramm Fleisch zu erhalten, müssen 7 Kilogramm an Futtermitteln eingesetzt werden. Und deren Produktion verschlingt etwa 15.300 Liter Wasser. Das Äquivalent zu einer Dusche pro Tag. Für ein ganzes Jahr.

Wasserverbrauch durch Nutztierhaltung

Nicht nur die Futtermittelproduktion, sondern auch die Rinder selbst brauchen Trinkwasser - zwischen 10 und 40 Liter pro Tag. Der Aufzucht eines Rindes bis zur Schlachtung – dieser Prozess dauert in der Regel 2 Jahre – steht damit ein Wasserverbrauch von bis zu  29.200 Litern gegenüber. Ausgehend von 300 Kilogramm Fleisch pro Tier sind das weitere rund 97 Liter Wasser pro Kilogramm Fleisch. Hinzu kommt der Wasserverbrauch zur regelmäßigen Reinigung der Ställe.

 

Wasserverbrauch von Cultured Meat

Mit einem Umstieg auf Cultured Meat ließe sich der Trinkwasserverbrauch nach aktuellem Stand (März 2021) um bis zu 78 Prozent reduzieren. Statt rund 15.500 Liter pro Kilogramm Fleisch ließe sich der Wasserbedarf durch die Herstellung von Laborfleisch auf 3410 Liter reduzieren.

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Bodendegradation

Der Boden nimmt in unserem Ökosystem eine tragende Rolle ein. Fruchtbare, mineralhaltige Böden stellen nicht weniger als die Nahrungsgrundlage für sämtliche Pflanzen dar, die wiederum essenziell für die Nahrungszufuhr von Mensch und Tier sind. Darüber hinaus fungieren die Böden als Habitat für zahlreiche Organsimen. Und: Böden speichern Unmengen an Kohlenstoffdioxid. Das dreifache der gesamten lebenden Biomasse .

Durch die intensive Nutzung der Böden durch die Landwirtschaft verschlechtert sich der Zustand der Böden zunehmend. Großen Anteil daran hat auch die Nutztierhaltung, für die Unmengen an Futtermitteln, in erster Linie Soja, produziert werden.  Durch den exzessiven Anbau von Soja-Monokulturen, die verstärkte Ausbringung von chemischen und organischen Düngemitteln als Wachstumsbeschleuniger sowie Pestiziden zum Schutz der Futtermittel-Pflanzen werden die Böden enorm beansprucht.

Die Folge: Der Humusgehalt im Boden nimmt ab. Dadurch verenden Organismen, die für die Lockerung des Bodens verantwortlich sind. Der Boden verliert seine Funktion als Lebensraum und auch seine Produktionsfunktionen. Hinzu kommt, dass der Boden nur einen gewissen Anteil Düngemittel und Gülle aufnehmen kann. Alles, was diese Kapazität übersteigt, gelangt in den Wasserkreislauf und damit auch ins Trinkwasser und in die Meere. Das gleiche gilt auch für Pestizide.

Zumindest der Anteil an der Bodendegradation, der aktuell auf die Nutztierhaltung inklusive der zugehörigen Futtermittelproduktion entfällt, ließe sich mit einem Umstieg auf Cultured Meat verhindern. Das beträfe immerhin 83 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche.

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Versauerung & Überdüngung der Meere

Nicht nur der Boden – auch die Meere speichern Unmengen an Kohlenstoffdioxid. In den vergangenen 200 Jahren haben die Ozeane über ein Viertel des vom Menschen erzeugten Kohlenstoffdioxids gebunden. Damit tragen auch die Weltmeere dazu bei, die Erderwärmung zu verlangsamen. Dieser Umstand hat aber seinen Preis: Versauerung. Dazu und auch zur Überdüngung der Ozeane leistet die Nutztierhaltung ihren Beitrag.

Versauerung der Meere

Zwar nehmen die Meere dankenswerterweise Unmengen an CO2 auf. Allerdings auf Kosten einer Übersäuerung. Um knapp 30 Prozent ist der ph-Wert der Meere im Vergleich zum Beginn der industriellen Revolution gesunken . Die Bewohner der Ozeane trifft diese Veränderung unterschiedlich hart. Fische etwa verbrauchen dadurch deutlich mehr Energie. Diese könnte den Tieren dann etwa beim Wachstum oder bei der Fortpflanzung fehlen. Auch Muscheln, Seesterne und Korallen sind betroffen, denn durch die Versauerung verringert sich der Anteil an Aragonit – ein essenzieller Bestandteil von Kalkschalen. Gerade mit Blick auf die Korallen könnte dies eine Art Kettenreaktion auslösen. Weniger Korallen, weniger Korallenriffe, aussterbender Lebensraum für zahlreiche Arten.

Die Haltung und Verarbeitung von Nutztieren leistet hier 14,5 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen einen nicht unerheblichen Beitrag. Auch wenn CO2 nur einen Teil dieser Emissionen ausmacht – mit einem Umstieg auf Cultured Meat ließe sich das Gros des aktuell durch die Fleischproduktion verursachten Ausstoßes vermeiden. Bei Clean Beef, also Rindfleisch aus dem Labor, spricht The Good Food Institute von Treibhausgas-Einsparungen in Höhe von 74 bis 87 Prozent.

Überdüngung der Meere

Hauptverursacher der Überdüngung der Meere ist die industrielle Landwirtschaft. Hauptproblem ist die Menge an Stickstoff, die infolge der durch die Massentierhaltung produzierte Gülle in die Meere eingebracht wird . Überschüssiger Stickstoff, also alles, was über die Kapazitätsgrenze von Pflanzen und Boden hinausgeht, gelangt in Atmosphäre, Grundwasser und Oberflächengewässer und damit letztendlich ins Meer.

Auch die Zucht von Fischen und Meeresfrüchten in offenen Aquakulturen im Meer trägt zur Überdüngung bei. Denn sowohl Futter als auch Ausscheidungen der Tiere gelangen hier ungehindert ins Meer.

Die Folgen sind für einige Meeresbewohner dramatisch. Durch das Überangebot an Nährstoffen im Wasser, wachsen und vermehren sich bestimmte Algenarten, darunter auch Phytoplankton, rasend schnell und kappen so die Lichtzufuhr von am Boden lebenden Pflanzenarten. Dadurch gerät das Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Einige der stark wachsenden Algen stoßen Giftstoffe aus, die zu Fischsterben führen. Zudem sorgen diese Algen, sobald sie absterben, für sogenannte tote Zonen, also besonders sauerstoffarme oder gar sauerstofffreie Bereiche am Meeresboden.

Auch hier sind Cultured Meat bzw. Cultivated Seafood die wesentlich bessere Alternative. Deutlich weniger CO2-Emissionen, kein Futter und damit auch keine Düngemittel.

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Überfischung & Ausbeutung

Laut dem World Wide Fund For Nature (WWF) gelten fast zwei Drittel der der kommerziell genutzten, also vom Menschen genutzten, Fischbestände als maximal genutzt und rund ein Drittel sogar als überfischt.   Für den Menschen birgt das Gefahren. So könnte die industrielle Fischerei nach heutigen Berechnungen im Jahr 2050 bereits „ausgestorben“ sein. Spätestens dann ist die Ernährungssicherheit von etwa 3 Milliarden Menschen – so viele ernähren sich aktuell primär von Fisch - in Gefahr.  Obendrein gefährden diese Missstände die Gesundheit der Meere und bedrohen das Überleben der Meeresbewohner. Folgende Probleme zieht die industrielle Fischerei nach sich:

Dezimierung von Fischbeständen

Nicht jede Fisch-Art landet auf unseren Tellern – stattdessen konzentriert sich die industrielle Fischerei auf bestimmte Arten. Und genau diese Arten, darunter Thunfisch, Schwertfisch, Rotbarsch oder Seeteufel sind massiv überfischt. So sehr, dass sie zum Teil bereits vom Aussterben bedroht sind. Laut Greenpeace sind die Bestände beliebtesten Fischarten inzwischen um 90 Prozent zurückgegangen. Das ist nicht nur ein Problem für die jeweiligen Arten, sondern im nächsten Schritt auch lebensbedrohlich für die natürlichen Fressfeinde dieser Tiere. Schließlich bricht für diese eine ihrer wichtigsten Nahrungsquellen nahezu weg, wodurch auch der Fortbestand dieser Arten bedroht ist.

Cultured Fish, auch Cell Cultured Fish, Lab-grown Fish oder In-vitro Fisch genannt,  also der Vorgang, Fisch im Labor zu züchten, könnte entscheidend dazu beitragen, dieses Problem zu lösen. Anstatt auf nachweislich gesundes Fischfleisch gänzlich zu verzichten ist auf diese Weise ein nachhaltiger Fischkonsum möglich. Ohne Fischerei und Überfischung.

Unnötiger Beifang

Als Beifang in den Netzen der Fischer sterben jährlich Millionen Tonnen Meeresbewohner. Davon sind laut WWF jedes Jahr auch rund 300.000 Wale, Delfine und Tümmler betroffen. Besonders dramatisch ist die Beifangquote unter dem Einsatz von Grundschleppnetzen sowie bei der Shrimp-Fischerei. Sage und schreibe 80 beziehungsweise sogar 95 Prozent der hier gefangenen Tiere geraten hier ungewollt ins Netz sterben unnötigerweise.  
Cultured Fish aus dem Labor kommt dagegen gänzlich ohne Beifang aus. Logisch: kein Fang, kein Beifang.

Unnatürliche Überpopulationen

Während einige Arten stark dezimiert oder gar vom Aussterben bedroht sind, profitieren andere Arten von dieser Entwicklung. Etwa, weil sie mangels Konkurrenz plötzlich mehr Nahrung finden. Oder weil sich die Zahl ihrer natürlichen Fressfeinde drastisch reduziert. Das mag das Leben dieser Arten erleichtern – im Gesamtkontext ist diese Entwicklung ein Problem. Denn dieses Ungleichgewicht der Populationen führt zu einem Ungleichgewicht des Ökosystems Meer.

Das Paradebeispiel für diese Entwicklung sind Quallen. Neben Faktoren wie dem Klimawandel und dem zunehmenden Eintrag von Nitrat und Phosphat in die Ozeane begünstigt auch der zunehmende Mangel an Fressfeinden die Vermehrung der Quallen. In der Folge herrschen nun in verschiedenen Gebieten extreme Überpopulationen, etwa vor der Küste Japans und der Südküste Chinas, im Mittelmeerraum sowie vereinzelt an den Küsten Schwedens und Norwegens, die andere Meeresbewohner schlichtweg verdrängen.

Cultured Fish und Cultured Meat können hier in mehrerlei Hinsicht Teil der Lösung sein. Mit einem Umstieg auf Cultured Fish ließe sich die Überfischung bestimmter Populationen verhindern. Keine Fischerei, keine Überfischung, weniger Überpopulationen. Cultured Meat würde gleichzeitig dabei helfen die Überdüngung der Ozeane, die in erster Linie auf die Nutztierhaltung zurückgeht, einzudämmen.

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