Cultured Meat – alles was Sie über kultiviertes Fleisch wissen müssen

„Wir werden von dem Aberwitz abkommen, ein ganzes Huhn zu züchten, um die Brust oder den Flügel zu essen, und diese stattdessen in einem geeigneten Medium züchten.“ Dieses Zitat des einstigen britischen Premiers Winston Churchill aus dem Jahr 1932 ist nicht weniger als der Grundgedanke von Cultured Meat. Nur das herstellen, was gebraucht wird. Ohne ein einziges Tier zu töten. Und das ist mitnichten der einzige Vorteil. Hier erfahren Sie, was es mit kultiviertem Fleisch auf sich hat.

Los gehts!Zur Herstellung

Was ist Cultured Meat?

Cultured Meat, auch bekannt als kultiviertes Fleisch, ist nicht weniger als die Zukunft der industriellen Fleischproduktion. Anders als bisher wird dabei aber kein ganzes Tier unter enormen Zeit- und Ressourcenaufwand großgezogen und anschließend geschlachtet, sondern lediglich Fleisch des jeweiligen Tieres im Labor gezüchtet. Und zwar in einem hochkomplexen biochemischen Verfahren. Mit dieser Methode lässt sich inzwischen nicht nur dieselbe Fleischqualität erreichen – ein Verzicht auf industrielle Massentierhaltung verhindert, dass auch nur ein einziges Tier sterben muss und bringt darüber hinaus eine Vielzahl an ökologischen und gesundheitlichen Vorteilen.

Vorteile von Cultured Meat

So gerne wir Fleisch essen – stammt das Fleisch aus industrieller Nutztierhaltung, tun wir uns damit keinen Gefallen. Denn konventionell erzeugtes Fleisch schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch unserer Gesundheit. Kultiviertes Fleisch birgt das Potenzial, diese Probleme zu lösen.

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Ökologische Vorteile

Die industrielle Fleischproduktion ist mit Blick auf den Klimawandel und drohende Ressourcenknappheit überholt. Sie verursacht nicht nur gewaltige Emissionen, sondern ist aufgrund des Flächenbedarfs für Futtermittelanbau und Weidehaltung einer der Haupttreiber für die Abholzung des Regenwaldes. Hinzu kommt ein enormer Wasserverbrauch, was angesichts der Tatsache, dass Menschen in einigen Teilen der Welt noch immer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, moralisch schlichtweg nicht mehr zu rechtfertigen ist. Kultiviertes Fleisch ist die Lösung für die ökologischen Probleme, die unser Fleischkonsum verursacht.

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Gesundheitliche Vorteile

Fleisch ist eine wichtige Proteinquelle und Lieferant vieler essenzieller Mikronährstoffe. Fleisch könnte also gesund sein, wären da nicht gesundheitliche Bedenken im Zusammenhang mit der industriellen Fleischerzeugung. Etwa der in einigen Ländern noch immer flächendeckende Einsatz von Pestiziden bei der Futtermittelproduktion. Oder die Gabe von Antibiotika sowohl präventiv als auch als Wachstumsbeschleuniger. Oder das allgegenwärtige Risiko von Zoonosen, also zwischen Mensch und Tier übertragbaren Krankheiten, das durch die teils fragwürdigen Haltungsbedingungen in der industriellen Nutztierhaltung verstärkt wird. All diese Probleme löst kultiviertes Fleisch.

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Herstellung von Cultured Meat

Biochemie statt Nutztierhaltung – Prozesse, die eigentlich der Körper regelt, finden bei der Herstellung von kultiviertem Fleisch im Labor statt. Aus Gewebeproben, die einem Tier unter Betäubung mittels Muskelbiopsie entnommen werden, werden Stammzellen isoliert. Mithilfe von Kulturmedien in einem Bioreaktor wachsen und vermehren sich diese Zellen, bis sie sich schließlich in Muskel-, Fett- und Gewebezellen verwandeln. Die Hauptbestandteile von Fleisch. Mithilfe von speziellen Gerüsten oder alternativ mittels additiver Fertigung entsteht aus dem Zellmaterial Fleisch, wie wir es kennen.

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Arten von Cultured Meat

Aus technologischer Sicht sind der Herstellung von Cultured Meat in Sachen Vielfalt keine Grenzen gesetzt. Theoretisch lässt sich im Labor jede erdenkliche Art von Fleisch kultivieren – unter der Voraussetzung, dass eine Gewebeprobe des Tieres vorliegt, dessen Fleisch gezüchtet werden soll.

Cultured Chicken

Geflügel ist die weltweit am meisten konsumierte Fleischsorte. Kein Wunder, schließlich zeichnet sich Hähnchenfleisch durch einen hohen Protein- und gleichzeitig geringen Fettanteil aus. Konventionell erzeugtes Hähnchenfleisch als gesund zu bezeichnen ist angesichts des oft exzessiven Einsatzes von Antibiotika trotzdem gewagt. Cultured Chicken ist die wirklich gesunde Alternative zu herkömmlichem Hähnchenfleisch. Ohne Medikamente, ohne Tierleid und mit einem deutlich besseren ökologischen Fußabdruck. Für Genuss mit reinem Gewissen!

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Cultured Beef

Wer gerne Fleisch isst, muss Rindfleisch lieben. Stammt das Rindfleisch aus konventioneller Erzeugung, so ist Konsum mit reinem Gewissen nahezu unmöglich. Nicht nur, weil dafür ein Tier sterben musste, sondern auch mit Blick auf die Emissionen und den gewaltigen Ressourcenverbrauch, der durch Aufzucht und Futtermittelproduktion entstehen. Cultured Beef ist die umweltfreundliche Alternative zu herkömmlich erzeugtem Rindfleisch. Ohne Tierleid und mit deutliche besserer Ökobilanz.

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Cultured Fish

Fischfleisch ist nicht nur besonders delikat, sondern eigentlich auch sehr gesund. Eigentlich. Denn Fische aus dem Meer sind heute mehr denn je mit Mikroplastik und Quecksilber kontaminiert, was beim Konsumenten zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Für Fische aus Aquakultur gilt das nicht – hier ist aber die teils exzessive Gabe von Medikamenten zu bemängeln. Cultured Fish löst nicht nur die gesundheitlichen, sondern auch die ökologischen Probleme, die der weltweite  Fischkonsum verursacht. Für Genuss mit reinem Gewissen!

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Geschichte von Cultured Meat

Mehr als 80 Jahre sind zwischen der vermutlich ersten Erwähnung und dem ersten Cultured Meat Prototypen vergangen. 1932 teilte Churchill seine Vision, nur die Teile eines Tieres zu züchten, die der Mensch auch verwertet. 2013 stellte der niederländische Pharmakologe Prof. Dr. Mark Post den ersten Cultured Meat Burger vor. Heute arbeiten mehrere Dutzend Unternehmen weltweit daran, kultiviertes Fleisch für den Massenmarkt zugänglich zu machen. Seit Frühjahr 2021 ist in Singapur das erste Cultured Meat Produkt kommerziell erhältlich: Chicken Nuggets von Eat Just. Noch im Jahr 2022 sollen auch in der Europäischen Union mehrere Zulassungsanträge eingehen.

Wie schmeckt kultiviertes Fleisch?

Der erste Cultured Meat Burger, den ein niederländisches Forscherteam um Mark Post im Jahr 2013 in London vorgestellt und verkostet hatte, soll im Vergleich zu herkömmlichem Fleisch – so die Überlieferung – ein wenig trockener und nicht ganz so aromatisch geschmeckt haben. Inzwischen ist aber beinahe ein Jahrzehnt an Entwicklungsarbeit vergangen. Unter anderem durch die Beimischung von Fettgewebe aus Stammzellen soll kultiviertes Fleisch dem Geschmack von herkömmlich produziertem Fleisch inzwischen in nichts nachstehen.

Ist Cultured Meat für Vegetarier und Veganer geeignet?

Die Gründe, aus denen sich Menschen für Vegetarismus oder Veganismus entscheiden, sind verschieden. Vegetarier und Veganer, die sich aufgrund des Geschmacks von Fleisch für ihre Ernährungsform entschieden haben, werden auch mit Cultured Meat wenig anfangen können. Für all diejenigen, die aus Tierwohlgründen auf Fleisch verzichten, könnte kultiviertes Fleisch eine echte Alternative darstellen. Schließlich kommen bei der Herstellung von Cultured Meat keine Tiere zu Schaden.

Was kostet Cultured Meat?

Auf lange Sicht wird Cultured Meat preislich in etwa mit herkömmlich erzeugtem Fleisch vergleichbar sein. Diesem Ziel am nächsten ist das israelische Startup Future Meat, das als erstes Unternehmen weltweit die 5-Dollar-Kostenbarriere durchbrochen hat. Im Vergleich zum ersten Cultured Meat Burger aus dem Jahr 2013, dessen Produktionskosten sich auf 300.000 Dollar beliefen, ein echter Meilenstein.

Ist kultiviertes Fleisch pflanzenbasiert?

Ja und nein. Einige Firmen wie beispielsweise Beyond Meat produzieren Fleischersatzprodukte rein auf pflanzlicher Basis – dabei handelt es sich allerdings nicht um Cultured Meat. Cultured Meat bedeutet, dass das Fleisch im Labor aus tierischen Zellen gezüchtet wird. Das Ergebnis ist echtes Fleisch, allerdings ohne die zahlreichen Nachteile, die die herkömmliche Fleischproduktion mit sich bringt. Zwischen pflanzlichem und kultiviertem Fleisch gibt es jedoch eine Mischform: Das kalifornische Start-up Eat Just stellt Chicken Nuggets her, die zu etwa drei Vierteln aus kultiviertem Hähnchenfleisch und zu einem Viertel aus einer speziellen Bohnensorte bestehen.

Kommen durch Cultured Meat Tiere zu Schaden?

Nein. Das ist einer der großen Vorteile von Cultured Meat: Zur Herstellung von Cultured Meat müssen Tiere weder Zeit ihres Lebens unter teils fragwürdigen Haltungsbedingungen vor sich hinvegetieren, noch geschlachtet werden. Was es allerdings braucht, ist eine Gewebeprobe des jeweiligen Tieres. Für Cultured Chicken lässt sich diese Probe beispielsweise aus einer Feder entnehmen, zur Herstellung von Cultured Beef wird hierzu eine Muskelbiopsie vorgenommen – allerdings unter zumindest lokaler Betäubung, sodass das Rind keine Schmerzen empfindet.

Ist kultiviertes Fleisch sicher?

Ja. Cultured Meat - übrigens auch In-Vitro-Fleisch genannt - ist sicherer als die meisten anderen Lebensmittel, da die sterilen Bedingungen im Labor das Risiko einer Kontamination vollständig eliminieren. Keime oder Krankheiten haben bei der Herstellung von kultiviertem Fleisch im Gegensatz zur herkömmlichen Fleischerzeugung keine Chance. Und nebenbei leistet Cultured Meat auch noch einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel!

Ist kultiviertes Fleisch Bio?

Folgende Voraussetzungen gelten für Fleischerzeugnisse, um als Bio-Lebensmittel gehandelt zu werden:

  • artgemäße Haltung gemäß EG-Öko-Verordnung
  • keine Behandlung mit Antibiotika und Wachstumshormonen
  • keine ionisierende Bestrahlung
  • maximal 5 Prozent nicht ökologische Zutaten

Der Punkt „artgemäße Haltung“ dürfte sich bei der Herstellung von kultivertem Fleisch erübrigen – schließlich handelt es sich bei dem Erzeugnis zu keiner Zeit um ein Lebewesen. Angesichts der Tatsache, dass Cultured Meat in einem vollkommen sterilem Nährmedium heranwächst, sind weder Antibiotika noch Wachstumshormone oder ionisierende Strahlung erforderlich. Und auch was den Gehalt nicht ökologischer Zutaten angeht, sollte kultiviertes Fleisch deutlich unterhalb der 5-Prozent-Marke liegen. Letztendlich ist die Frage, ob es sich bei Cultured Meat um Bio-Fleisch handelt, aber Definitionssache.

Ist Cultured Meat gesund?

Die Frage, ob Fleisch gesund ist oder nicht, spaltet die Gemüter. Fleisch ist in der Regel reich an Proteinen und – natürlich abhängig vom jeweiligen Tier – auch relativ fettarm. Hinzu kommen wichtige Mikronährstoffe wie Magnesium, Eisen, Zink und Selen. Cultured Meat bietet sogar noch mehr gesundheitliche Vorteile. Aufgrund der sterilen Bedingungen im Labor besteht keine Gefahr von Verunreinigungen. Zudem erübrigt sich durch die sterile Umgebung auch die Gabe von Antibiotika. Und: Theoretisch lassen sich im Labor gesättigte Fettsäuren durch mehrfach ungesättigte ersetzen und zusätzliche Vitamine „verbauen“. Egal für wie gesund Sie herkömmliches Fleisch also halten – Cultured Meat ist gesünder.

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