In-vitro-Fleisch – alles über Fleisch aus dem Labor

Fleisch ist schlecht fürs Klima. Insbesondere dann, wenn es sich um Erzeugnisse aus konventioneller Nutztierhaltung handelt. Rein aus ökologischer Sicht wäre ein gänzlicher Verzicht auf Fleisch notwendig. Ein ambitioniertes Ziel, das sich in der Praxis wohl kaum global realisieren lässt. Was es also braucht, ist eine klimafreundliche Alternative: In-vitro-Fleisch. Sieht aus wie Fleisch, schmeckt wie Fleisch bietet aber zahlreiche Vorteile. Im Folgenden erfahren Sie alles, was Sie über In-vitro-Fleisch wissen müssen.

Los gehts!

Was ist In-vitro-Fleisch?

In-vitro-Fleisch ist laut Einschätzung vieler Experten die Lösung für viele der Probleme, die mit der industriellen Fleischerzeugung einhergehen. Anstatt ein ganzes Tier zu züchten, was unausweichlich unter enormem Aufwand von Zeit und Ressourcen geschieht und obendrein einen enormen Treibhausgas-Ausstoß zur Folge hat, wird im Labor der Teil des Tieres gezüchtet, den wir brauchen: das Fleisch. Dem zugrunde liegt ein komplexer biochemischer Prozess, mit dem sich sowohl die Tötung von Tieren als auch eine Vielzahl ökologischer und gesundheitlicher Probleme vermeiden lässt, die die konventionelle Fleischerzeugung mit sich bringt. Und: Für In-vitro-Fleisch muss kein einziges Tier sterben.

Vorteile von In-vitro-Fleisch

Fleisch ist eine der wichtigsten Proteinquellen für den Menschen. Etwas Gutes tun wir uns damit allerdings nicht. Fleisch aus konventioneller Erzeugung trägt nämlich nicht nur wesentlich zum Klimawandel bei, sondern birgt auch verschiedene gesundheitliche Gefahren. Mit In-vitro-Fleisch lassen sich viele dieser Probleme lösen.

Ökologische Vorteile von In-vitro-Fleisch

Die industrielle Fleischerzeugung fällt vor dem Hintergrund des Klimawandels zunehmend aus der Zeit. Gewaltige Treibhausgas-Emissionen, die zur Klimaerwärmung beitragen, ein enormer Bedarf an Futtermitteln, der hauptverantwortlich für die Abholzung des Regenwaldes ist und ein extrem hoher Wasserverbrauch, der mit Blick auf lebensbedrohliche Wasserengpässe in einigen Regionen der Welt gelinde gesagt fragwürdig ist. In-vitro-Fleisch ist die vermutlich vielversprechendste Lösung für sämtliche ökologischen Probleme, die mit dem menschlichen Fleischkonsum und damit der konventionellen Fleischerzeugung einhergehen.

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Gesundheitliche Vorteile von In-vitro-Fleisch

Fleisch ist für den Menschen nicht nur einer der wichtigsten Eiweißlieferanten, sondern auch eine Quelle für viele essenzielle Mikronährstoffe. Somit ließe sich Fleisch als gesund deklarieren. Aber: Fleisch aus konventioneller Tierhaltung birgt gesundheitliche Gefahren. Beispielsweise die Tatsache, dass in vielen Betrieben weltweit noch immer Antibiotika zum Einsatz kommen – sowohl präventiv als auch als Wachstumsbeschleuniger. Oder die Gefahr von Zoonosen, also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übergehen können. Oder der Umstand, dass bei der Futtermittelerzeugung vielerorts Pestizide zum Einsatz kommen. All diese Probleme löst In-vitro-Fleisch.

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Herstellung von In-vitro-Fleisch

Labor statt Stall. Hightech statt Nutztierhaltung. Alles, was bei der Herstellung von herkömmlichem Fleisch der Körper des Tieres regelt, geschieht bei der Erzeugung von In-vitro-Fleisch im Labor. Zunächst werden einem entsprechenden Tier unter Betäubung mittels Muskelbiopsie Gewebeproben entnommen, aus denen im nächsten Schritt Stammzellen isoliert werden. Selbige landen anschließend in einer Nährlösung im Bioreaktor, wo sie sich vermehren und schließlich in die für Fleisch notwenigen Zellarten differenzieren: Muskelzellen, Fettzellen und Gewebezellen. Je nach gewünschtem Endprodukt entsteht mittels 3D-Druck oder Scaffolding Fleisch, wie wir es kennen.

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Arten von In-vitro-Fleisch

Mithilfe der Technologie, die bei der Herstellung von In-vitro-Fleisch zum Einsatz kommt, lässt sich im Prinzip jede erdenkliche Fleisch- oder Fischsorte herstellen. Alles, was es dazu braucht, ist eine Gewebeprobe des jeweiligen Tieres. Im Folgenden stellen wir die beliebtesten Arten von In-vitro-Fleisch vor.

In-vitro-Hähnchenfleisch

Viel Eiweiß, wenig Fett - Hähnchenfleisch ist nicht umsonst die am meisten konsumierte Fleischsorte. Aber: Obwohl es eine sehr vorteilhafte Makronährstoffbilanz aufweist, ist konventionell erzeugtes Hähnchenfleisch oft nicht wirklich gesund. Etwa, weil gerade in der Massentierhaltung oft auf Antibiotika zurückgegriffen wird. Auch aus moralischer Sicht, mit Blick auf das Tierwohl sowie den Klimawandel, ist herkömmliches Hähnchenfleisch heutzutage nicht mehr vertretbar. In-vitro-Hähnchenfleisch ist gesünder und lässt sich ohne Tierleid und emissionsarm erzeugen.

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In-vitro-Rindfleisch

Wer Fleisch mag, liebt Rindfleisch – das ist mehr oder weniger Gesetz. So richtig schmeckt das Fleisch aber nur, wenn man alle damit einhergehenden Probleme ausblendet: Haltungsbedingungen und Schlachtung, Emissionen durch die Tiere und die Futtermittelerzeugung, Wasserverbrauch und obendrein die ein oder andere gesundheitliche Gefahr. In-vitro-Rindfleisch ist die Lösung für all diese Probleme. Keine Nutztierhaltung, keine Schlachtung, deutlich geringere Emissionen, weniger Wasserbedarf und keine gesundheitlichen Probleme – ganz im Gegenteil!

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In-vitro-Fisch

Fischfleisch schmackhaft und zumindest in der Theorie auch gesund. Angesichts der Tatsache, dass Meeresfische heutzutage zunehmend Mikroplastik und Quecksilber enthalten geraten der hohe Eiweißanteil sowie der hohe Omega-3-Gehalt schnell in den Hintergrund. Fische aus Aquakultur sind zwar in der Regel frei von Quecksilber und Mikroplastik, dafür aber oft mit Medikamenten behandelt. Auch nicht viel besser. Dank der sterilen Zuchtbedingungen im Labor ist In-vitro-Fisch die Lösung für beide Probleme. Und nebenbei auch aus ökologischer Sicht die bessere Alternative.

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Geschichte von In-vitro-Fleisch

Die Idee, kein ganzes Tier, sondern lediglich sein Fleisch zu züchten, reicht weit zurück. Mindestens 90 Jahre, denn bereits 1932 hatte der damalige britische Premierminister Winston Churchill diese Vision verkündet. Bis der erste In-vitro-Fleisch Prototyp das Licht der Welt erblickte, vergingen jedoch rund 80 Jahre. 2013 präsentierte der Niederländer Mark Post den ersten In-vitro-Fleisch Burger. Seitdem ist viel passiert. Mehr als 100 Unternehmen arbeiten derzeit daran, ihr In-vitro-Fleisch Produkt auf den Markt zu bringen. Und in Singapur wurde bereits die erste Zulassung erteilt.

FAQs

Ist In-vitro-Fleisch gesund?

Laut Definition sind Nahrungsmittel dann gesund, wenn sie den Körper mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgen. Fleisch enthält B-Vitamine sowie Eisen und Zink. Damit wäre Fleisch gesund, wären da nicht der Einsatz von Antibiotika und die Gefahr von Keimen. In-vitro-Fleisch ist herkömmlichen Fleischaus gesundheitlicher Sicht gleich in mehreren Punkten überlegen. Nicht nur, dass dank der sterilen Bedingungen im Labor keine Gefahr hinsichtlich Keimen besteht und auch keine Antibiotika notwendig sind. In-vitro-Fleisch lässt sich je nach Bedarf auch modifizieren. Etwa, indem dem Fleisch verschiedene Vitamine oder Mineralstoffe beigefügt werden. Oder, indem gesättigte Fettsäuren mit Omega-3- oder Omega-6-Fettsäuren ersetzt werden. In-vitro-Fleisch ist also auf jeden Fall gesünder als herkömmliches Fleisch.

Ist In-vitro-Fleisch pflanzenbasiert?

Das hängt davon ab, um welchen Hersteller und um welches Erzeugnis es sich handelt. Vollkommen pflanzenbasiert sind In-vitro-Fleisch Produkte nie. Einige Hersteller setzen aber auf hybride Erzeugnisse, die sowohl auf In-vitro-Fleisch als auch auf pflanzlichen Erzeugnissen basieren. Das US-Startup Eat Just beispielsweise verwendet für seine in Singapur bereits zugelassenen Chicken Nuggets sowohl In-vitro-Fleisch als auch eine spezielle Bohne. Immer mehr Hersteller loten die Vorteile solcher hybriden Erzeugnisse aus.

Kommen durch In-vitro-Fleisch Tiere zu Schaden?

Nein. Bei der Herstellung von In-vitro-Fleisch kommen keine Lebewesen zu Schaden. Weder, indem sie unwürdigen Haltungsbedingungen ausgesetzt sind, noch durch eine Schlachtung. Der einzige Kontakt mit lebenden Tieren, den die Erzeugung von In-vitro-Fleisch voraussetzt, ist die Entnahme von Zellproben. Da dies aber mittels Muskelbiopsie geschieht, ein veterinärmedizinischer Routineeingriff, bei dem das Tier betäubt wird, wird auch hier kein Tierleid verursacht.

Wie schmeckt In-vitro-Fleisch?

Inzwischen ist die Technologie so weit fortgeschritten, dass In-vitro-Fleisch genauso schmeckt wie herkömmliches Fleisch. Schließlich handelt es sich auch um dieselben Bestandteile wie bei echtem Fleisch. Zum Teil schmeckt In-vitro-Fleisch sogar besser, denn mit dieser Technologie lässt sich eine gleichbleibende Fleischqualität erzeugen. Ausreißer nach unten, wie sie bei konventionell erzeugtem Fleisch immer wieder vorkommen, gibt es bei In-vitro-Fleisch nicht. Dabei ist die Qualität gleichbleibend hoch, denn die Muskelbiopsien werden selbstverständlich nur bei handverlesenen Tieren durchgeführt. So lässt sich der bestmögliche Geschmack erreichen. Bei jedem einzelnen Stück Fleisch.

Ist In-vitro-Fleisch Bio?

Ob sich In-vitro-Fleisch als Bio-Produkt bezeichnen lässt, ist mehr oder weniger Ansichtssache. Denn streng genommen erfüllt In-vitro-Fleisch alle Voraussetzungen, die für ein Bio-Siegel notwendig wären.

  • artgemäße Haltung gemäß EG-Öko-Verordnung
    Dieser Punkt zielt in erster Linie darauf ab, Tierleid zu verhindern. Wenn artgemäße Haltung besser ist als nicht artgemäße Haltung, müsste vor diesem Hintergrund gar keine Haltung – wie bei der Herstellung von In-vitro-Fleisch – noch besser sein. Dabei kommt schließlich unter Garantie kein Tier zu Schaden.
  • keine Behandlung mit Antibiotika und Wachstumshormonen
    Dank der sterilen Bedingungen im Labor braucht es bei der Herstellung von In-vitro-Fleisch keine Antibiotika. Und auch Wachstumshormone, die üblicherweise zum Einsatz kommen, damit die Nutztiere schneller Fleisch ansetzen, sind obsolet. Schließlich wird bei der Erzeugung von In-vitro-Fleisch ohnehin ausschließlich Fleisch gezüchtet. Und das binnen weniger Wochen und nicht, wie in der Nutztierhaltung, innerhalb mehrerer Monate oder Jahre.
  • keine ionisierende Bestrahlung
    Auch ionisierende Bestrahlung ist bei der Herstellung von In-vitro-Fleisch nicht erforderlich. Ein weiterer Vorteil durch die Erzeugung unter sterilen Bedingungen.
  • maximal 5 Prozent nicht ökologische Zutaten
    Hier kommt es auf das jeweilige In-vitro-Fleisch Produkt an. Basierend auf dem Herstellungsprozess von In-vitro-Fleisch sollte es aber durchaus möglich sein, die nicht ökologischen Zutaten unterhalb von 5 Prozent zu halten.

Wie viele Fragen rund um das Thema In-vitro-Fleisch ist auch diese eine Sache der Regulierung. Ob es in Zukunft Bio-In-vitro-Fleisch-Produkte geben wird, entscheiden letztendlich die Behörden.

Ist In-vitro-Fleisch sicher?

Ja. Denn zum einen wird In-vitro-Fleisch unter sterilen Bedingungen im Labor hergestellt, sodass Keime oder Krankheiten gar nicht erst entstehen können. Zum anderen wird auch In-vitro-Fleisch den strengen Regularien für Lebensmittel unterliegen, die in der Europäischen Union gelten. Dementsprechend werden In-vitro-Fleisch-Produkte, die es hierzulande in den Einzelhandel schaffen, auch sicher sein.

Was kostet In-vitro-Fleisch?

Die Produktionskosten für den ersten In-vitro-Fleisch-Burger, der 2013 vorgestellt wurde, betrugen noch 300.000 US-Dollar. Inzwischen arbeiten mehr als 100 Unternehmen weltweit mit enormer finanzieller Unterstützung diverser Kapitalgeber daran, marktreife und dementsprechend vor allem erschwingliche Produkte herzustellen. Das zeigt Wirkung: Future Meat, ein Startup aus Israel beispielsweise hat Anfang 2022 bekanntgegeben, die 5-Dollar-Kostenbarriere durchbrochen zu haben. Mittelfristig – so die Einschätzung vieler Experten – wird In-vitro-Fleisch günstiger sein als Fleisch aus konventioneller Herstellung und selbiges langfristig sogar zum großen Teil verdrängen.

Ist In-vitro-Fleisch für Vegetarier und Veganer geeignet?

Das muss am Ende wohl jeder für sich entscheiden. Denn letztendlich kommt es darauf, weswegen sich jemand für den Verzicht auf Fleisch oder Fisch entschieden hat. Für Menschen, die schlichtweg den Geschmack von Fleisch oder Fisch nicht mögen, wird auch In-vitro-Fleisch keine geeignete Alternative sein. Basiert die Entscheidung für Vegetarismus oder Veganismus jedoch auf bedenken hinsichtlich des Tierwohl oder des Klimawandels, ist In-vitro-Fleisch zumindest eine Überlegung wert. Denn In-vitro-Fleisch verhindert unwürdige Haltungsbedingungen, Tiertransporte und Schlachtungen, verursacht nur einen Bruchteil der Emissionen und ist deutlich ressourcenschonender als die konventionelle Fleischerzeugung.

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